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Die Geschichte hinter dem Klassiker: Wie Designlegenden entstanden

Designklassiker sind mehr als nur Möbelstücke oder Alltagsgegenstände – sie sind Ausdruck von Innovation, Kunst und Funktionalität. Einige Entwürfe haben Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte überdauert und sind bis heute begehrte Sammlerstücke. Aber wie sind diese legendären Designs entstanden? Wer waren die kreativen Köpfe dahinter? Und warum faszinieren sie uns auch heute noch? Lassen Sie uns auf eine Zeitreise durch die Entstehungsgeschichte einiger der berühmtesten Designklassiker gehen.

Der Eames Lounge Chair: Luxus trifft auf Komfort

Es gibt wohl kaum ein Möbelstück, das so ikonisch für das Mid-Century-Design steht wie der Eames Lounge Chair. Er wurde 1956 von Charles und Ray Eames entworfen und sollte eine moderne Interpretation des klassischen englischen Clubsessels sein. Die Vision des Designerpaares war es, einen Sessel zu kreieren, der aussieht wie „ein gut eingetragener Baseballhandschuh“ – ein Möbelstück, das Komfort und Ästhetik perfekt vereint.

Der Lounge Chair besteht aus einer Kombination von geformtem Schichtholz, Lederpolstern und Aluminiumfüßen – Materialien, die für ihre Langlebigkeit und hochwertige Verarbeitung bekannt sind. Was den Stuhl besonders machte, war seine ergonomische Form: Die sanfte Neigung der Rückenlehne, die weichen Kissen und die geschwungene Sitzfläche luden zum Entspannen ein.

Ursprünglich wurde der Stuhl für den amerikanischen Möbelhersteller Herman Miller produziert, später auch von Vitra in Europa. Bis heute gilt der Lounge Chair als Synonym für zeitloses Design und höchsten Komfort. Er steht in Museen, Bibliotheken, luxuriösen Lofts und Designhotels – ein echter Klassiker eben.

Charles und Ray Eames experimentierten mit Sperrholz, um organische Formen zu erschaffen, die den menschlichen Körper perfekt unterstützen. Ihre ersten Skizzen für den legendären Lounge Chair entstanden auf der Suche nach der idealen Balance zwischen Komfort und Ästhetik.

Arne Jacobsens Egg Chair wurde ursprünglich für das Radisson SAS Hotel in Kopenhagen entworfen. Seine erste Vision: ein Möbelstück, das Privatsphäre in offenen Räumen schafft.

In dieser frühen Phase entstehen zahlreiche Skizzen, Materialstudien und manchmal auch erste rudimentäre Modelle aus Pappe oder Draht.

Der Wassily Chair: Bauhaus-Ikone aus Stahlrohr

Während der Eames Lounge Chair für organische Formen und warme Materialien steht, repräsentiert der Wassily Chair (1925) von Marcel Breuer den minimalistischen, industriellen Stil des Bauhauses.

Marcel Breuer, ein ungarischer Architekt und Möbeldesigner, war von der Idee fasziniert, Stahlrohre für Möbel zu nutzen. Inspiriert von der Leichtigkeit eines Fahrrads entwarf er einen Sessel, der vollständig aus verchromtem Stahlrohr gefertigt wurde – eine bahnbrechende Innovation für die damalige Zeit.

Der Wassily Chair war ursprünglich für die persönliche Nutzung von Wassily Kandinsky, dem berühmten Maler und Lehrer am Bauhaus, gedacht. Als dieser den Sessel sah, war er begeistert und Breuer entschied sich, das Modell unter dem Namen „Wassily Chair“ auf den Markt zu bringen.

Der Egg Chair: Eine organische Designrevolution

Ein weiteres Design-Meisterwerk, das die Möbelwelt revolutionierte, ist der Egg Chair, entworfen 1958 von Arne Jacobsen. Der dänische Architekt und Designer schuf den ikonischen Sessel als Teil seiner Gestaltung des SAS Royal Hotels in Kopenhagen. Jacobsen war bekannt für seine Fähigkeit, Räume und Möbel als eine Einheit zu betrachten, und der Egg Chair ist ein perfektes Beispiel für diese Philosophie.

Der Stuhl sollte eine gemütliche, private Sitzgelegenheit schaffen, die sich harmonisch in die offene Architektur des Hotels einfügt. Inspiriert von organischen Formen, entwickelte Jacobsen ein Modell mit einer geschwungenen, umarmenden Silhouette. Das markante Design mit hoher Rückenlehne und seitlichen Flügeln bietet nicht nur eine stilvolle Optik, sondern auch eine akustische Abschirmung – perfekt für ungestörte Gespräche oder entspannte Momente.

Das Geheimnis hinter der Form des Egg Chairs liegt in der innovativen Herstellung: Jacobsen nutzte eine damals neuartige Technik, bei der eine Gussform aus Schaumstoff verwendet wurde, um die charakteristischen Rundungen zu realisieren. Die Kombination aus Schaumstoff, Leder- oder Stoffbezug und einem drehbaren Aluminiumfuß machte den Sessel zu einem Meisterwerk der Ergonomie und Ästhetik.

Bis heute wird der Egg Chair von Fritz Hansen produziert und bleibt eines der begehrtesten Designstücke der Welt – sowohl in luxuriösen Lounges als auch in privaten Wohnräumen.

Der Barcelona Chair: Eleganz aus Stahl und Leder

Ein weiteres Highlight der Designgeschichte ist der Barcelona Chair, entworfen 1929 von Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich für den deutschen Pavillon der Weltausstellung in Barcelona. Der Sessel war ursprünglich nicht für den Massenmarkt gedacht, sondern wurde speziell für das spanische Königspaar entworfen, das die Ausstellung besuchte.

Der Barcelona Chair verkörpert Mies van der Rohes berühmtes Prinzip „Weniger ist mehr“. Er besteht aus einer schlanken, eleganten Konstruktion aus poliertem Edelstahl und dicken, handgefertigten Lederkissen. Die Form ist inspiriert von römischen Feldbetten und kombiniert klassische Proportionen mit modernem Minimalismus.

Was den Barcelona Chair so besonders macht, ist die Perfektion in der Verarbeitung. Die X-förmigen Beine aus verchromtem Stahl verleihen dem Sessel eine fast schwebende Leichtigkeit, während die weichen, quadratisch gesteppten Lederpolster für höchsten Komfort sorgen. Jeder Stuhl wird nach höchsten handwerklichen Standards gefertigt und gilt als Symbol für luxuriöses, modernes Design.

Heute wird der Barcelona Chair von Knoll International produziert und ist weltweit in gehobenen Interieurs zu finden – von Unternehmenslounges bis hin zu eleganten Wohnräumen.

Das Geheimnis zeitloser Klassiker: Was macht gutes Design aus?

Was macht Designklassiker wie den Eames Lounge Chair oder den Wassily Chair so außergewöhnlich? Drei zentrale Aspekte zeichnen sie aus:

  1. Innovative Materialien: Viele der berühmtesten Möbelstücke wurden mit neuen, bahnbrechenden Materialien gefertigt. Ob Sperrholz, Fiberglas oder Stahlrohr – Designer experimentierten stets mit neuen Techniken, um ihre Ideen umzusetzen.
  2. Ergonomie und Komfort: Zeitloses Design ist nicht nur schön, sondern auch funktional. Die erfolgreichsten Möbelklassiker wurden mit Blick auf den menschlichen Körper entworfen und bieten eine perfekte Balance zwischen Ästhetik und Bequemlichkeit.
  3. Minimalismus und Klarheit: Viele Designklassiker sind reduziert auf das Wesentliche. Keine überflüssigen Verzierungen, keine unnötigen Schnörkel – einfach Form und Funktion in perfektem Einklang.

Warum Designklassiker nie aus der Mode kommen

Egal, ob Sie ein Sammler, Designliebhaber oder einfach jemand sind, der sich für zeitlose Ästhetik begeistert – Designklassiker haben eine besondere Anziehungskraft. Sie erzählen Geschichten, verkörpern das Beste aus ihrer jeweiligen Epoche und bleiben trotzdem relevant.

Die Geschichte hinter den großen Klassikern zeigt uns, dass gutes Design eine Mischung aus Vision, Mut und handwerklichem Können ist. Ob der weiche Luxus des Eames Lounge Chairs oder die industrielle Eleganz des Wassily Chairs – diese Meisterwerke sind nicht nur Möbel, sondern Kulturgüter, die unser Verständnis von Schönheit und Funktionalität für immer geprägt haben.